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Mittwoch, 20. September 2017

Im Gänsemarsch zur Strahlenquelle

Quelle: Nordwest-Zeitung, Ammerland vom Mittwoch, 20. September 2017, Autor: Christian Korte
Im Gänsemarsch: Bei der Suche nach Strahlungsquellen sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Das wurde am Montagabend auf dem Gelände der Firma Hüppe in Kayhauserfeld geübt. Im Gänsemarsch: Bei der Suche nach Strahlungsquellen sind besondere Vorsichtsmaßnahmen zu beachten. Das wurde am Montagabend auf dem Gelände der Firma Hüppe in Kayhauserfeld geübt. Bild: Christian Korte

ABC-Alarm nach einem Kleinlaster-Unglück: Gefahrgutgruppen aus Bad Zwischenahn und Edewecht rücken aus. Es ist nur eine Übung – aber der Geigerzähler schlägt trotzdem aus.

Kayhauserfeld ABC-Alarm in Kayhauserfeld am Montagabend. Auf dem Gelände der Firma Hüppe ist ein Kleinlaster verunglückt. Ein solches Szenario wird häufig geübt bei den Freiwilligen Feuerwehren. Die Übung am Montagabend hatte aber einen besonderen Hintergrund. Der Kleinlaster hatte nämlich nicht irgendetwas geladen, sondern radioaktives Material.

Bei einem solchen Einsatz müssen natürlich Spezialisten ran – auch die gibt es bei den Freiwilligen Feuerwehren. „Wir haben die Gefahrgutgruppe der Gemeinde Bad Zwischenahn, die technische Gefahrgutgruppe der TZ in Elmendorf und die Gefahrgutgruppe der Nachbargemeinde Edewecht hier“, erläutert Carsten Prellberg, Zugführer des Gefahrgutzuges Ammerland. Für die Bereiche Strahlenschutz und Dekontamination ist in der Gemeinde Bad Zwischenahn die Freiwillige Feuerwehr aus Aschhausen ausgebildet und ausgerüstet.

Als erste am Einsatzort ist am Montagabend aber, ganz wie bei einem richtigen Einsatz, die Ortsfeuerwehr aus Kayhauserfeld. „Die würden bei einem echten Einsatz die Lage erkunden und ihre Informationen weitergeben. Dann werden die weiteren Einheiten alarmiert“, erklärt Prellberg, während immer weitere Fahrzeuge ankommen. Die Wehren waren vorher über die Übung informiert – Hektik kommt am Montag nicht auf. „Im Moment läuft ganz viel Vorbereitung und Organisation im Hintergrund, von der wir nichts mitbekommen“, erklärt Prellberg die vermeintliche Ruhe zu Beginn der Übung.

Ein Problem bei der Spezialisierung der verschiedenen Ortswehren ist die Tagesverfügbarkeit. Freiwillige Feuerwehrleute haben schließlich in der Regel einen Beruf, längst nicht alle arbeiten in der Gemeinde. Es kann also passieren, dass bei einem Einsatz nicht alle Experten verfügbar sind. „Deshalb haben wir heute die Wehren aus Bad Zwischenahn und Edewecht dabei, die den Umgang mit der Strahlenschutz-Ausrüstung kennenlernen sollen“, sagt Prellberg. Das bedeutet erstmal: Schutzanzüge mit Atemmaske und Pressluftflasche anlegen.

Die Suche nach dem nuklearen Material übernimmt einer der Feuerwehrmänner. Er trägt den Geigerzähler mit einer mehrere Meter langen Spitze. Im Gänsemarsch folgen ihm vier weitere Kameraden. Langsam tastet sich die Gruppe zur Unfallstelle vor, bis das Messgerät ausschlägt. Das tut es wirklich, für die Übung wurden sogenannte Prüfstrahler ausgelegt. „Das sind ganz schwach strahlende Gegenstände. Das Messgerät zeigt erst etwas an, wenn man circa 30 Zentimeter entfernt ist“, erklärte Prellberg.

Bei einem echten Einsatz hätte die Feuerwehr zahlreiche zusätzliche Kameraden in Bereitschaft, die abwarten, ob sie für unvorhergesehene Zwischenfälle gebraucht werden.

„In einer Übungssituation ist das Warten fatal für die Motivation“, sagt Prellberg. Deshalb ist auf dem Gelände auch für die anderen Kameraden viel zu tun. Mehrere Puppen wurden als „Verletzte“ auf dem Gelände versteckt, eine war unter schweren Stahlträgern eingeklemmt, die durchgeschnitten und beiseite geräumt werden mussten. Auch eine Wasserversorgung wurde aufgebaut. „Das sind alles realistische Situationen, die uns auch bei einem echten Gefahrgutunfall passieren könnten“, so Prellberg. Und auch die organisatorischen Abläufe müssen geübt werden. Aus gleich zwei Einsatzleitfahrzeugen werden die verschiedenen Abläufe koordiniert. Von 18 bis 22 Uhr waren die Freiwilligen Feuerwehrleute am Montagabend im Einsatz – überwacht wurde die Übung auch von Bad Zwischenahns Gemeindebrandmeister Heino Brüntjen und Kreisbrandmeister Andree Hoffbuhr.

Neben-Schauplatz: Ein „Verletzter“ liegt unter Stahlträgern eingeklemmt.  Bild: Christian Korte
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